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Nachtfotos und Langzeitbelichtungen

Da ich vor kurzem gefragt wurde wie ich das Bild mit den Lichtspuren im Seitenkopf fotografiert habe, hier ein kurzer Eintrag dazu. Ich habe dazu einige Fotos aus meiner Sammlung ausgewählt, die ich bei Nacht mit Langzeitbelichtungen aufgenommen habe, an denen man die Effekte gut sehen kann.

Was ist eine Langzeitbelichtung?

Autobahn bei Nacht (F/8; 30s)Autobahn bei Nacht (F/8; 30s)

Laut deutscher Wikipedia versteht man unter Langzeitbelichtung eine Belichtungszeit von mehreren Sekunden. Ich finde hingegen das die Belichtungsdauer nur eine untergeordnete Rolle spielt, da meiner Meinung nach die Wirkung entscheidender ist. Durch eine Langzeitbelichtung werden zum Einen Aufnahmen bei geringem Licht (z.B. nachts) möglich. Da die Kamera lange Zeit Licht für eine Aufnahme sammelt, so dass auch Dinge die sonst nicht oder nur schwach sichtbar wären gut erkennbar sind. Zum Anderen ermöglichen Langzeitaufnahmen auch den Effekt, dass Bewegungen erkennbar sind. Dabei sind sich bewegende Objekte als unscharfe Spuren vor einem scharf gezeichneten Hintergrund zu erkennen. Ich finde die “Long-exposure photography” im Englischen trifft die Essenz deutlich besser als die Deutsche Langzeitbelichtung, da hier (zumindest in der Englischen Wikipedia keine Einschränkung zur kürzesten Belichtungszeit gemacht wird sondern der Effekt als entscheidendes Merkmal verwendet wird.

 

Wie macht man eine Langzeitbelichtung?

Eine Brücke bei Nacht (F/8; 8s)Eine Brücke bei Nacht (F/8; 8s)

Um eine Langzeitbelichtung zu erstellen benötigt man zunächst ein Stativ (oder zumindest eine geeignete Auflage). Langzeitaufnahmen kann man nicht aus der Hand fotografieren, da diese verwackelt werden würden. Außerdem benötigt man eine Fotokamera bei der man die Belichtungszeit manuell einstellen kann die außerdem einen Fern- oder Selbstauslöser besitzt. Da beim manuellen Auslösen die Gefahr besteht das Bild zu verwackeln. Um das Foto zu machen stellt man nun an der Kamera eine entsprechend lange Belichtungszeit (z.B. 10 Sekunden) ein und verwendet den Selbstauslöser bzw. die Fernauslösung. Die passende Belichtungszeit muss man dabei durch experimentieren herausfinden. Hier kann die digitale Fotografie den Vorteil ausspielen, dass das gemachte Foto sofort auf dem Display zu begutachten ist. Trotzdem würde ich immer mehrere Fotos in einer Belichtungsserie machen, da die Kameradisplays meist nur eine eingeschränkte Farb- und Helligkeitstreue haben. Dabei gilt, das längere Belichtungszeiten bei gleicher Blende ein helleres Foto ergeben, in dem mehr Bewegung erfaßt ist.

Salamander bei NachtSalamander bei Nacht

Wenn es bei der Aufnahme hauptsächlich auf die Bewegung ankommt kann die Helligkeit der Aufnahme über die ISO-Lichtempfindlichkeit oder über die Blendengröße reguliert werden. Dabei gilt eine höhere Blendenzahl (F) entspricht einer kleineren Blendenöffnung, also weniger Lichteinfall und damit einem dunkleren Bild. Beide Möglichkeiten wirken sich jedoch nicht nur auf die Helligkeit des Bildes aus. Die höhere ISO-Einstellungen bedeuten in der Regel nicht nur ein helleres Bild, sondern auch mehr Rauschen im Bild. Von der Blendenzahl hängt hingegen die Schärfentiefe, also die größe des scharf gezeichneten Bereichs im Foto ab. Wobei hier größe nicht die flächige Ausdenung auf der Abbildung meint, sondern den Bereich von Entfernung zur Kamera in dem Objekte scharf gezeichnet werden.

Beispiele für verschiedene Belichtungszeiten:

A4 nachts (F/4; 10s)A4 nachts (F/4; 10s) A4 nachts (F/4; 30s)A4 nachts (F/4; 30s) A4 nachts (F/8; 30s)A4 nachts (F/8; 30s)

Alle Fotos dieser Belichtungsreihe, die vorbeifahrende Autos auf der A4 zeigt, wurde mit bis auf die Belichtungszeit gleichen Einstellungen am gleichen Ort direkt nacheinander aufgenommen, nur die Blende und die Belichtungszeit wurden dabei variiert. Dadurch können die Auswirkungen dieser beiden Parameter auf das Foto gut beobachtet werden.

A4 nachts (F/4; 30s)A4 nachts (F/4; 30s)

Im diesem Foto ist auf der linken Spur eine im Nichts beginnende Lichtspur zu erkennen. Dieser Effekt entsteht dadurch, dass das zugehörige Auto bei Beginn der Belichtung an dieser Stelle war und sich auf mich zubewegte. So können durchaus interessante Effekte erzielt werden. Dies kann auch noch mit einem Blitz auf den ersten oder zweiten Vorhang (öffnen bzw. schließen der Blende) kombiniert werden. Dadurch entstehen die vermutlich bekannten Effekte, dass nicht nur die Bewegungsunschärfe sondern auch das Objekt selbst in "eingefrorener" Form zu sehen ist. Abhängig davon, welcher der Vorhänge gewählt wird, ist das Objekt dann an der Stelle zu Anfang oder zu Ende der Belichtung zu sehen. Hierzu habe ich leider keine Beispielfotos.

Fernsehturm in Stuttgart bei Nacht (F/8; 30s)Fernsehturm in Stuttgart bei Nacht (F/8; 30s)

Ein weiterer Effekt der bei Langzeitbelichtungen von unbeweglichen Objekten auftritt ist das Lichter überstrahlen, also eine Korona, einen Stern oder ähnliches um die eigentliche Lichtquelle erzeugen. Die kann ein gewollter Effekt sein. Es kann aber auch stören. Im Bild vom winterlichen [Stuttgart](/2011/08/10/eindrucke-aus-stuttgart/ "Eindrücke aus Stuttgart") mit Fernsehturm (links) ist dies gewollt und gut raus gekommen.

Zu beachten ist auch, dass schon kleine leichte sonst kaum Wahrzunehmende Bewegungen bei einer Langzeitbelichtung ungewollte Unschärfer erzeugen können. Im Folgenden Bild der [Rhein-Sieg-Halle](http://www.rhein-sieg-halle.de/ "Offizielle Website der Rhein-Sieg-Halle") sind leider die Blätter der Bäume leicht unscharf, da der schwache Wind sie gekräuselt hat. In den beiden Bildern mit einem Teil der nächtlichen Skyline von Frankfurt am Main ergibt das durch die Wasserbewegung unscharfe Spiegelbild hingegen einen sehr netten Effekt.

Mainhattan at Night (F/8; 6s)Mainhattan at Night (F/8; 6s) Main at Night (F/4; 20s)Main at Night (F/4; 20s) Die Rhein-Sieg-Halle bei Nacht (F/5; 2,5s)Die Rhein-Sieg-Halle bei Nacht (F/5; 2,5s)

Zwei weitere Fotos, die zeigen wie sich die Blendenzahl auf die Helligkeit des Fotos auswirkt:

Hannibal Asemwald bei Nacht (F/4; 60s)Hannibal Asemwald bei Nacht (F/4; 60s) Hannibal Asemwald bei Nacht (F/8; 60s)Hannibal Asemwald bei Nacht (F/8; 60s)

Diese habe ich ohne Stativ aufgenommen in dem ich die Kamera auf die Fensterbank meiner damaligen Wohnung gestellt habe.

Beim zusammensuchen der Fotos und schreiben diese Posts habe ich mir überlegt, dass ich häufiger Nachtaufnahmen machen sollte. :-)