Vor etwa einem Jahr habe ich in meinen Computer eine SSD (Solid-State-Disk) eingebaut, um mehr Performance; insbesondere kürzere Lade- und damit Wartezeiten sowie ein schnelleres Starten von Windows und Programmen zu erreichen. Bisher bin ich damit sehr zufrieden, da der Rechner sich seit dem deutlich flüssiger anfühlt. Dies dürfte insbesondere aus vielen weggefallenen kleinen Wartezeiten resultieren, während denen der Rechner vorher auf die Festplatte warten musste. Meine Konfiguration möchte ich in diesem Post kurz zusammenfassen, da ich diese schon verschiedenen Freunden, die Interesse bekundet hatten, ausführlich beschrieben habe. Die Konfiguration des Storages in meinem Rechner besteht aus einer schnellen 128GB SSD sowie zwei gute Festplatten mit 7.200UPM (Umdrehungen pro Minute). Als Betriebssystem verwende ich Windows 7, welches dringend zu empfehlen ist. Erst Windows 7 bietet volle Unterstützung für SSDs: TRIM sowie automatisches Deaktivieren der Defragmentierung und anderer kontraproduktiver Maßnahmen. Die Nutzung der drei Speichermedien in meinem Rechner ist wie folgt:
- SSD: Betriebssystem, Benutzerprofil, alles was bei Systemstart und Anmeldung gestartet wird sowie alle häufig verwendeten Programme die schnell starten sollen.
- Platte 1: Alle seltener verwendeten Programme, alle Spiele.
- Platte 2: Alle Daten: Fotos, Bilder, Texte, Musik, …
Durch diese Aufteilung kann aus dem kostbaren SSD-Platz möglichst viel Performancegewinn herausgeholt werden, da so alle Programme die ich regelmäßig verwende auf die SSD passen und von dieser profitieren. Der Hauptvorteil einer SSD liegt bei ungeordneten, zufälligen Lesezugriffen, wie sie insbesondere typisch für das Laden von Anwendungen, Lesen von Benutzereinstellungen oder bei der Verwendung von Datenbanken ist. Deshalb profitieren das Betriebssystem und Anwendungen am meisten von den Vorteilen einer SSD, da diese beim Start häufig viele kleine Leseoperationen an verschiedenen Stellen durchführen. Aber auch Spiele können aus dem gleichen Grund sehr von einer SSD profitieren. Spielen tue ich jedoch weniger häufig, so dass ich hier sehr gut auf den Performancevorteil verzichten kann. Deshalb liegen Spiele, die in der Regel viel Platz benötigen, bei mir nicht auf der SSD sondern auf der wesentlich billigeren konventionellen magnetischen HDD. Daten lassen sich sehr gut auf einer konventionellen Magnetplatte ablegen. Bei den üblichen Nutzungsszenarien von Daten wirken sich die Nachteile einer HDD gegenüber einer SSD weniger stark aus. So werden z.B. Fotos in der Regel zu Beginn der Bearbeitung vollständig gelesen und in den Speicher geladen. Anschließend ohne Zugriff auf den Massenspeicher bearbeitet. Gerade das lineare Lesen ist jedoch eine Disziplin, bei dem der Geschwindigkeitsvorteil einer SSD weniger stark ausfällt. Zumindest solange die HDD nicht stark fragmentiert ist. Auch die Wiedergabe von Audio oder Video profitiert nicht von einer SSD. Da auch eine konventionellen Magnetplatte mehr als schnell genug ist, um die Daten in der benötigten Geschwindigkeit für eine flüssige Wiedergabe zu liefern. Da jedoch Audio-, Bild- und Videodateien umfangreich sind, kann durch Platzierung dieser auf einer konventionelle Magnetplatte kostbarer Platz auf der SSD gespart werden. Um diese Kombination möglichst komfortabel einzurichten bietet Windows 7 verschiedene praktische Möglichkeiten um Daten auf ein anderes Medium umzuleiten, ohne dass man ständig im Dateisystem navigieren muss. So ist es z.B. möglich die standardmäßig im Benutzerprofil vorhandenen Ordner “Eigene Bilder”, “Eigene Dokumente”, “Eigene Musik”, “Eigene Videos” usw. über die Reiterkarte Pfad im Eigenschaften-Dialog an eine beliebige andere Stelle zu verschieben, auch auf einem anderen Speichermedium. Dabei werden die Ordner im Explorer und den meisten Programmen weiterhin an gewohnten Stelle eingeblendet, so dass keine Umgewöhnung erforderlich ist. So habe ich meine Fotos, Musik und Videos auf eine der Festplatten ausgelagert. Eine weitere Möglichkeit um Verzeichnisse auf ein anderes Speichermedium umzuleiten sind die Junctions. Dabei handelt es sich um ein den Symlinks unter anderen Betriebssystemen ähnliches Konstrukt, mit dem von einem Pfad auf ein anderes Verzeichnis im gleichen oder einem anderen Dateisystem verwiesen werden kann. Dies ist für die meisten Anwendungen völlig transparent, da nur spezielle Anwendungen Junctions als solche erkennen. Alle anderen Anwendungen verwenden eine Junction als würden die Inhalte des Zielverzeichnisses am Pfad der Junction liegen. Im Windows Explorer sind Junctions mit einem kleinen Verknüpfungspfeil gekennzeichnet. (Nicht unter XP) In der Kommandozeile wird beim Befehl dir als Typ
Wie bereits erwähnt sind Junctions nur mit dem Kommandozeilen Tool junction.exe einzurichten und zu entfernen. Da dies nicht zum Lieferumfang von Windows gehört muss es zunächst kostenfrei bei Microsoft heruntergeladen werden. (Download) Am einfachsten ist es junction.exe in das Verzeichnis %WINDIR%\System32 zu kopieren. Dies kann dann auf der Kommandozeile aus jedem Pfad leicht aufgerufen werden. (Alternativ kann es auch in einem anderen Pfad installiert und dann die Path-Umgebungsvariable angepasst werden.)
Wenn junction.exe installiert wurde können Junctions erzeugt werden, die ein Zielverzeichnis transparent als Pseudo-Unterverzeichnis in einen anderen Ordner einblenden. Dies erfolgt in der Kommandozeile mit dem Befehl:
junction.exe Junctionname Zielverzeichniss
Dieser erzeugt eine Junction mit dem Namen Junctionname, die auf das Zielverzeichniss verweist. Gelöscht wird eine Junction mit:
junction.exe -d Junctionname
Mit Junctions können auch hartnäckige Programme - die sich nicht dazu überreden lassen ihre Dateien nicht auf dem Systemlaufwerk zu platzieren - dazu bewegt werden diese auf ein anderes Medium zu schreiben. Dazu einfach das Programm vollständig beenden. Die Daten auf das Laufwerk auf das sie sollen verschieben und an der Stelle wo sie vorher lagen eine Junction anlegen, die den gleichen Namen trägt wie der Ordner der gerade verschoben wurde. Wenn das Programm das nächste Mal startet folgt es, ohne es zu bemerken, der Junction und landet so auf einem anderen Medium.
Dies ist teilweise auch hilfreich um Programme mit umfangreichen Medieninhalten oder aus dem Internet heruntergeladenen Inhalten dazu zu bewegen, dass diese Inhalte auf einer Festplatte landen, wärend das Programm selbst, zwecks schnelleren Starts, auf der SSD verbleibt.
Insgesamt lässt sich unter Windows 7 mit den neuen Möglichkeiten und den Junctions ein über eine SSD und eine oder mehrere Festplatten verteilte Konfiguration gut und zuverlässig betreiben.